Arnoldshof
Japanischer Garten-1
Bei der Aufgabe, unseren japanischen Garten zu kreieren, haben wir versucht, den gestalterischen Prinzipien zu folgen, die die Japaner vor vielen Jahrhunderten formuliert haben.
Der originale roji ist der Gartenteil, den man durchschreitet, um das Teehaus zu erreichen. Wörtlich bedeutet roji: taufeuchter Weg, insbesondere auch Waldweg. Dies ist ein Gartenteil, der einen Übergang zwischen dem lärmenden Alltag und dem zelebrieren der Teezeremonie darstellt. Hier haben wir den roji benutzt um den Übergang von einer bunten und üppigen Welt zu einem Ort der Ruhe und Stille zu erleichtern. Eigentlich ist es nicht mehr als ein schattiger Weg mit einer oribe Steinlaterne und einem Wasserbassin (tsukubai), das Reinigung symbolisiert. Aber es gibt auch eine überdachte Sitzbank, falls Sie einen Moment warten möchten, bis andere Besucher den japanischen Garten verlassen haben.
Der Grundriss des Gartens, den Sie nach dem roji erreichen, ist der gleiche wie der der Gärten der Heian-Periode (794-1185). In diesen Tagen gehörten die meisten Gärten den Kaisern und den Adligen. Meist befanden sich große Seen in diesen Gärten, auf denen die Leute gern Boot fuhren. Das Wasser erreichte den See im Osten oder Nordosten und verließ ihn im Westen oder Südwesten. In unserem Garten erreicht das Wasser den Teich im Osten, wo sich die drei „Berge“ befinden. Fünf riesige Steine in traditioneller Form, umrahmt von Hilfssteinen, bilden hier den Wasserfall. Das Wasser verlässt den Teich im Südwesten wie ein launisch fließender Bach, der seine Richtung im Osten ändert und dann irgendwo unter den Gehölzen verschwindet, als seien seine Mäander nicht festgelegt. Die Richtung der Strömung entspricht der Form einer Schlange. Die Überlieferung sagt, dass diese Form von einem Drachen geschaffen wurde, der mit seinem Schwanz aufschlug und so das Flussbett schuf.
Da unser japanischer Garten nur 1800 m² umfasst, kommt Bootfahren nicht in Frage! Es ist ein Garten zum darin Flanieren. Überall gibt es Trittsteine um den Teich herum und viele Ecken und abgelegenere Winkel können auf kleinen Pfaden besucht werden. Die Trittsteine (tobi-ishi) wurden umsichtig in einem gefälligen Muster verlegt. Sie sollen gut im Boden verankert sein, um die Füße des Spaziergängers trocken zu halten. Konsequenterweise müssen die Steine sehr massiv sein, denn ihre Stabilität wird dadurch gewährleistet, dass sich ein großer Teil unter der Erde befindet. Wir haben solch’ schwere Steine nicht für jeden Gartenbereich finden können, wissen aber, dass selbst in Japan diese hohen Anforderungen nicht in jedem Garten erfüllt werden. Die Steine sind für eilige Füße aus dem Westen nicht immer leicht zu begehen, bleiben Sie aber bitte trotzdem auf diesen Wegen. Sogar an beiden Kieselstränden besteht die Wegeführung ausschließlich aus Trittsteinen!
Das kleine Schild am Eingang des Teichgartens zeigt in japanischen Schriftzeichen: Un-kyō-en, was Garten des Wolkenspiegels bedeutet. Die ersten Dinge, die Sie durch die kleinen Bäume und Gehölze sehen können, sind der Teich, der Wasserfall und das Teehaus. Dann werden Sie sich vielleicht nach links wenden, die Steinbrücke überqueren und im nantei ankommen, wo wir unser Teehaus gebaut haben.
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